Naturraum und Geographie

 

Tansania weist mit einer Fläche von 945.000 qkm (davon 6,2% Wasserfläche) sehr unterschiedliche Landschaftsformen und Klimazonen auf. Im Osten erstreckt sich der etwa 800 km lange und 15 bis 65 km breite Küstenstreifen mit feucht-heißem tropischem Klima. Den vielfach von Mangroven gesäumten und geschützten Küsten sind meist Korallenriffe vorgelagert. Westlich des Küstenstreifens erhebt sich ein Plateau mit Höhenlagen zwischen 900 und 1.800 Metern, das den größten Teil des zentralen Tansania einnimmt. Das Klima ist hier überwiegend trocken-heiß und das Landschaftsbild wird von verschiedenen Savannentypen geprägt. Über Teile des Westens sowie den Süden dehnen sich Baumsavannengebiete aus. Den Südwesten bestimmen die ausgedehnten Berglandschaften der Southern Highlands. Auch im Westen, Nordwesten und Nordosten erheben sich Bergketten auf teilweise bis zu 3.000 Meter. Diese an den Rändern des Staatsgebiets gelegenen Gebirgszüge weisen gemäßigtes Klima auf, das sogar Fröste einschließen kann. Im Norden an der Grenze zu Kenia liegt das Kilimanjaro-Massiv mit dem höchsten Gipfel Afrikas (5.895 m). Das Massiv ist Teil des östlichen Ausläufers des Großen Ostafrikanischen Grabenbruchsystems, das Tansania etwa in der Landesmitte in nord-südlicher Richtung durchzieht. Der westliche Ausläufer des Grabenbruchsystems verläuft in weiten Teilen entlang der Westgrenze des Landes. Nördlich des Nyasa-Sees treffen die beiden Grabenbruch-Ausläufer zusammen. Tansania hat Anteil an den drei größten Seen Afrikas (Victoria, Tanganyika, Nyasa). Größter Fluss ist der Rufiji, dessen Mündungsdelta den größten Mangrovenwald der Erde beheimatet. Etwa ein Viertel des Staatsgebietes wurde unter besonderen Naturschutz gestellt (u.a. Serengeti, Selous, Ngorongoro). Zu den großen ökologischen Herausforderungen zählen die Auswirkungen globaler Klimaveränderungen ebenso wie die Folgen lokaler Umweltzerstörung. Die Erwärmung der Meere gefährdet die Korallenriffe vor den Küsten, die einen wichtigen Beitrag zum Küstenschutz und zur Ernährung der Bevölkerung leisten. Die verbreitete Dynamitfischerei trägt jedoch ebenso zur Zerstörung der Korallenriffe bei. Mangrovenwälder sind unter erheblichem Druck durch den Bedarf der lokalen Bevölkerung an Baumaterial und Brennholz, aber auch durch kommerzielle Nutzung. Die Abholzung zur Gewinnung von Brenn- und Baumaterial sowie für landwirtschaftlichen und kommerziellen Flächenbedarf bedroht die Waldgebiete, auch die Baumsavannen und Bergwälder, mit deutlichen Auswirkungen auf das lokale Klima. Sichtbare Folgen sind u.a. Bodenerosion, zunehmende Erdrutsche und der Verlust an Wasserquellen mit teilweise dramatischen Auswirkungen für die Wasserversorgung der Bevölkerung und der Landwirtschaft. Deutliche Veränderungen bei den ehemals relativ regelmäßigen Regen- und Trockenzeiten, lang anhaltende Dürreperioden und massive Überschwemmungen könnten Auswirkungen des globalen Klimawandels sein, ebenso wie das rapide Abschmelzen der Kilimanjaro-Gletscherzone. Es wird erwartet, dass die markante Eiskappe bis 2030 geschmolzen sein könnte – und die Wasserversorgung des Umlandes weiter erschweren wird. Probleme bereitet die Vergiftung von Böden und Gewässern durch Chemikalien, durch Müll und Abwässer aus Industrie, Landwirtschaft und menschlichen Siedlungen.

Das vor der Ostküste im Indischen Ozean gelegene Archipel Sansibar mit seinen Hauptinseln Unguja und Pemba umfasst etwa 2.640 qkm, weist keine größeren Erhebungen auf und wird von einem gleichmäßigen feucht-heißen Tropenklima geprägt.
Die beachtliche natürliche Ressourcenausstattung des Landes bildet ein gutes Potenzial für diversifizierte Aktivitäten in Landwirtschaft, Fischerei, Bergbau und Tourismus. Die verschiedenen Klimazonen ermöglichen neben lokalen Grundnahrungsmitteln (v.a. Mais, Hirse, Bananen) den Anbau eines ganzen Spektrums wertvoller landwirtschaftlicher Exportprodukte (Kaffee, Tee, Baumwolle, Tabak, Cashewnüsse, Sisal, Blumen und Gartenprodukte, Gewürznelken in Sansibar) sowie extensive Viehwirtschaft. Es gibt somit keine Abhängigkeit von Monokulturen. Auch die Fischerei (an der Küste wie in den Binnenseen) ist ein wichtiger Wirtschaftszweig. Tansania verfügt über große Bergbauressourcen (Gold, Diamanten, Edelsteine, Erdgas, andere Mineralien) und mit seinen tropischen Stränden, berühmten Tierparks, Bergen und weiteren Naturattraktionen über gute Voraussetzungen für einen hochwertigen Tourismus.

 

Hofmeier, Rolf/ Hirschler, Kurt: Tansania, In: Gieler, Wolfgang (Hg.) (2010) 'Afrika-Lexikon. Geographie, Geschichte, Kultur, Politik und Wirtschaft' (Frankfurt/Main, Peter Lang Verlag), S.455-473