Beats, Chats, Blogs: Mambo ya vijana! Jugend(kultur) in Tansania im Wandel

27. bis 28. September 2014 in Berlin


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Die Jugend(kultur) in Tansania ist im Wandel, besonders in städtischen, aber auch in ländlichen Regionen. Im Gegensatz zu der alternden Gesellschaft Deutschlands sind in Tansania derzeit etwa 45 % der Bevölkerung unter 14 Jahre alt. Ihnen kommt bei der zukünftigen Gestaltung des Landes eine große Bedeutung zu.

Sprache, Musik und Kommunikationsmedien werden unter Jugendlichen häufig als Medium zur Abgrenzung und politischen Teilhabe genutzt. Sie waren Thema auf dem diesjährigen Herbststudientag, der vom 27. bis 28. September in Berlin stattfand.

Zunächst führte Luisa Baumann von der Universität Leipzig in jugendliche urbane Sprache ein. Sprache sei nicht nur ein Mittel der Abgrenzung zu Menschen anderer Generationen oder Regionen. Von Nicht-Sprechern häufig als pejorativ behandelt, diene sie einer heranwachsenden Generation vielmehr auch als Möglichkeit der Identifikation. Anhand verschiedener Beispiele wurde der eigene Habitus tansanischer Jugendsprache deutlich.

In ihrem Vortrag über Bongo Fleva Musik fragte Lisa Nixdorf, Gründerin und Direktorin von iheartz collections in Arusha, was Musik mit einer politischen Message ausmache und ob dies überhaupt in einem Staat, in dem eine eingeschränkte Presse- und Meinungsfreiheit herrsche, möglich sei. Anhand mehrerer Beispiele zeigte sie, dass in scheinbar unpolitischen Liedern sehr wohl politische Aussagen vorhanden sind. Entgegen dem Vorurteil, Bongo Fleva sei in den letzten Jahrzehnten zu „zahnloser Unterhaltungsmusik“ (Süddeutsche Zeitung, 26.07.2014) verkommen, machte sie deutlich, dass tansanischer Hip Hop nach wie vor ein wichtiges Instrument demokratischer Mitsprache sowie Ort gesellschaftspolitischer Kritik ist.

Jasper Maston, Marketing Manager für Social Media Solutions in Dar es Salaam, betonte in einem Skype-Interview die wachsende Bedeutung der Jugend beim Gebrauch sozialer Medien. Zwar sei das Radio noch immer der effektivste und günstigste Weg um große Bevölkerungsschichten, insbesondere in ländlichen Regionen zu erreichen. Dennoch erlebe das Internet, vor allem durch die breitflächige Einführung internetfähiger Handys, einen enormen Aufschwung. Bereits 14,85 % der tansanischen Bevölkerung benutzten mobiles Internet im Jahr 2012, Tendenz steigend. Der Austausch auf Facebook, Twitter und Blogs diene nicht nur dem sozialen Miteinander, sondern auch dem Entstehen von Geschäftsideen.

Samwel Moses Ntapanta, Trainer für ostafrikanische Sozialpolitik, Wirtschaft, Umwelt und Kultur in Kopenhagen, analysierte in seinem Vortrag über jugendliches Engagement in Tansania die Rolle der Jugend für die politische Zukunft Tansanias. An diversen Beispielen zeigte er, wie durch junge ambitionierte Menschen Einfluss auf Politik genommen werden kann und schilderte, dass auch gegen Widerstände der etablierten Elite politische Mitsprache gelingen kann.

Die Vorträge wurden von angeregten Diskussionen und vertiefenden Workshops zu den Themen Musikszene, Sprache und Kunsträume begleitet. Ein weiterer Höhepunkt stellte ein Bongo Fleva Konzert von AB Mara, einem Bongo Fleva Künstler und Lorenz Herrmann, Student der Afrikanistik und Dolmetscher für Swahili, dar.

Mehr zu den einzelnen Workshops und Vorträgen ist im nächsten Habari nachzulesen. 

Bericht von teilnehmender Schülerguppe von der Robert-Bosch-Gesamtschule aus Hildesheim

 

Weitere Informationen:

Tansanias IT-Wirtschaft: Wo Apps echte Probleme lösen (Spiegel Online)

The (Mis)Use of Kiswahili in Western popular culture (thisisafrica.me)

Aus für die Message-Songs (Süddeutsche Zeitung)

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