4 | 2016

Megaprojekte contra Menschenrechte – Fortschritt um jeden Preis?

INHALTSVERZEICHNIS

Armutsbekämpfung und wirtschaftlicher Fortschritt stehen ganz oben auf der tansanischen Agenda: Nicht mehr Abhängigkeit von vermeintlichen Wohltaten reicher Länder, die in Form von Entwicklungshilfe und Krediten das Land nicht weitergebracht haben, sondern Vermarktung der eigenen Quellen heißt die Parole. Tansania ist nicht arm, es besitzt Rohstoffe in großen, lange unerkannten Mengen: Mineralien, Gas, Land. Wachstum durch Investitionen in die Nutzung der natürlichen Ressourcen scheint die passendere Lösung zu sein. Megaprojekte beim Abbau von Gold, Uran und Edelsteinen sind bereits umgesetzt oder in Planung, Infrastrukturvorhaben wie der Bau einer Ölleitung von Uganda an die tansanische Küste in Verhandlung. Förderung der Gasvorkommen im großen Stil soll die eigene Energieversorgung sichern und im Verkauf zusätzlich Devisen in die Kasse spülen. „Kilimo Kwanza“ (Landwirtschaft zuerst), ein schon seit Jahrzehnten mit verschiedenen Ansätzen angegangenes Programm, besitzt höchste Priorität. Die Landwirtschaft muss weg von kleinbäuerlichen Subsistenzbetrieben, hin zum technisierten Agribusiness, heißt es. Internationale Investoren stehen schon in den Startlöchern, um all diese Vorhaben zu realisieren. Natürlich nicht aus Selbstlosigkeit, sie erwarten vor allem auch für sich gute Gewinne.

Risiken und Folgen für die TansanierInnen waren Thema des diesjährigen Studientages in Berlin. Gerechtigkeit im Ausverkauf – wo bleiben die Menschen-, wo die Mitspracherechte derer, die bisher die Ressourcen im kleinen Maßstab genutzt oder ihre Heimat in den betroffenen Regionen haben? Wer wird letztlich und auf wessen Kosten profitieren?

Tanzania Network richtete die Veranstaltung gemeinsam mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung aus. Das ermöglichte uns die Einladung hochrangiger Experten direkt aus Tansania und versprach aktuellste Informationen. Viele Interessierte, vor allem auch junge TansanierInnen, besuchten und bereicherten den Studientag, den der tansanische Botschafter mit einem Grußwort eröffnete. Ein gut gemischtes Publikum aus „alten Hasen“ und Neulingen, die das Netzwerk bisher nicht kannten, sorgte für lebhafte Diskussionen im Plenum und auf den Gängen. Wir freuen uns, Ihnen im vorliegenden HABARI-Heft außer den Vorträgen auch die Ergebnisse der Podiumsdiskussionen und das Fazit der Arbeitsgruppen präsentieren zu dürfen. Beiträge von Denis Mpagaze zum Thema „Large-Scale Farming“, von Katharina Lang über den Stand der Wirtschaftsabkommen ostafrikanischer Staaten mit der EU sowie von Martin Kurz und Günther Wippel über den Blick einer NGO auf den Uranabbau ergänzen das Spektrum.

Viel Informatives wartet also auf Sie – zum Lesen und Bedenken. Hinweisen möchte ich noch auf den von Arnold Kiel zusammengestellten Partnerschaftsatlas in aktueller Version, eine wichtige Hilfe und Quelle bei der Vernetzung von Interessensgruppen.

Spannende Lektüre bei bereits Bekanntem oder neu zu entdeckenden Inhalten wünscht Ihnen im Namen der HABARI-Redaktion

Elisabeth Steinle-Paul