1 | 2017

Bildung für alle – Der lange Weg zum Ziel

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Bildung hat weltweit enorme Bedeutung, und zwar auf allen Ebenen: Für jeden Einzelnen ist sie elementare Voraussetzung, um private und berufliche Aufgaben zu meistern, gesellschaftliche Teilhabe zu genießen sowie ein selbstbestimmteres Leben zu führen. Besonders aber für weniger privilegierte Menschen funktioniert sie als Schlüssel zu sozialem Aufstieg und Ausweg aus der Armut. Deshalb wird Bildung für die Gesellschaft insgesamt zum wichtigen Entwicklungsfaktor.

Ausführlich widmeten wir uns dem Thema zuletzt in der HABARI-Ausgabe 2/2009 unter dem Titel „Bildung und Ausbildung“. Seitdem hat sich einiges getan – höchste Zeit also, dass wir uns ein wenig „fortbilden“ und auf den aktuellen Stand bringen. Im September 2015 formulierte die Weltgemeinschaft 17 Sustainable Development Goals (SDGs), in denen an vierter Stelle die Sicherstellung einer inklusiven, chancengerechten und hochwertigen Bildung für alle Menschen sowie die Möglichkeit zu lebenslangem Lernen steht. Deutschland und Tansania müssen – wenn auch auf sehr unterschiedlichen Ebenen – bis zur Erreichung dieses Ziels noch einen weiten Weg gehen.

„Haki Elimu“ – Kisuaheli für „Recht auf Bildung“ – ist nicht nur der Name einer seit 2001 bestehenden tansanischen Organisation, deren Arbeit Marisa Sann vorstellt, sondern mittlerweile ein im Land weit verbreiteter Slogan für das Menschenrecht auf Bildung, das allen zu gewähren ist. Verantwortung für die Umsetzung, da sind sich zumindest die BürgerInnen einig, trägt die Regierung. Sie erließ unter Magufuli am 1.1. 2016 ein neues Gesetz, nach dem, wie schon an den Grundschulen, der Besuch weiterführender Einrichtungen ebenfalls kostenlos ist – ein wichtiger Schritt zu mehr Bildungsgerechtigkeit. Auch wenn die Einschulungsquote in den letzten Jahren stark anstieg, so blieb die Qualität des Unterrichts bislang teilweise miserabel, was nicht zuletzt mit der mangelhaften Lehrerausbildung zusammenhängt.

Hierzulande entfacht jede PISA-Studie hitzige Diskussionen, welche Reformen das deutsche System verbessern könnten; in Tansania geht es hingegen noch um sehr elementare Dinge wie Lehrermangel, Gehälter, Klassengrößen, Mobiliar, Zustand der Gebäude und vor allem um die Wahl der Unterrichtssprache: Englisch oder Kisuaheli. Die von Elisabeth-Steinle Paul und Silke Harte zusammengefassten Quellen befassen sich mit diesen Problemen.

In der UN-Behindertenrechtskonvention ist das Recht auf Inklusion festgeschrieben. 2009 verpflichtete sich Deutschland, das Erziehungsmodell auch an Schulen zu etablieren: Kinder mit und ohne Behinderung sollen gemeinsam und voneinander lernen. Dass dabei Anspruch und Wirklichkeit noch weit voneinander entfernt sind, lässt sich fast täglich in der Zeitung lesen. Claus Heim fragt in seinem Artikel, wie es Menschen mit Behinderung in Tansania ergeht, welche Bildungschancen sie haben und von welchen Fördermaßnahmen zur beruflichen Bildung sie Gebrauch machen können.

Erinnern wir uns an die eigene Schulzeit, so waren die „besten“ LehrerInnen diejenigen, zu denen wir ein vertrauensvolles Verhältnis aufbauen konnten und die in der Lage waren, uns beim Lernen zu unterstützen. Welchen Stellenwert in der tansanischen Lehrerausbildung das Kapitel „Lehrer-Schüler-Verhältnis“ einnimmt, dazu interviewte Luisa Baumann den Experten Dr. Nkalileka Mgonda.

Zu guter Letzt empfehlen wir den Rückblick einer Lehrerin auf ihren Einsatz in Tansania in der Rubrik „Projekte und Partnerschaften“ sowie einen lesenswerten Wirtschaftskrimi.

Eine anregende und hoffentlich „weiterbildende“ Lektüre wünschen im Namen des Redaktionsteams Arnold Kiel, Daniela Tschuschke und Melanie Deter