Herbst-Studientag: SHARED HISTORY? Tansanisch-deutsche Kolonialgeschichte und Erinnerungskultur“ 

26. und 28. Oktober 2018 in Berlin  



Unser Herbst-Studientag fand vom 26. bis 28. Oktober in Berlin statt. 

Eine kritische Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte findet in Deutschlands Öffentlichkeit und Politik bisher nur unzureichend statt. Viele wissen nichts oder nur sehr wenig über diese Zeit gewalttätiger Expansion Deutschlands, des kolonialen Unrechts und des Widerstands dagegen. Sie haben noch nie von Ostafrika als Kriegsschauplatz des Ersten Weltkrieges gehört und nichts von den Leiden derer, die im Gebiet des heutigen Tansanias unter dem deutschen Kolonialregime leben mussten.

Wir haben den 100. Jahrestag des Endes des Ersten Weltkriegs und des Zusammenbruchs des deutschen Kolonialreichs zum Anlass genommen, uns mit dieser in Deutschland über Jahrzehnte hinweg verdrängten Geschichte und mit ihren Kontinuitäten auseinanderzusetzen.

In dem Seminar beleuchteten wir, welche weitreichenden Auswirkungen der deutsche Kolonialismus nicht nur auf die kolonisierte Gesellschaft des heutigen Tansanias, sondern auch auf Denk- und Gesellschaftsstrukturen in Deutschland hatte und hat. In Hinblick auf die Frage nach globaler Gerechtigkeit wurde erarbeitet, wie der Kolonialrassismus nach wie vor das Zusammenleben der Menschen weltweit und auch die Beziehungen zwischen Tansania und Deutschland beeinflusst.

Die gemeinsame Aufarbeitung der deutschen Kolonialherrschaft und ihrer Verbrechen sehen wir als einen unabdingbaren Schritt hin zu einer ‚gerechteren Geschichtsschreibung’, die viel zu lange nur aus weißer deutscher Perspektive erzählt wurde. Damit verbunden ist die Übernahme von kolonialhistorischer Verantwortung durch die Bundesrepublik Deutschland – der sie sich bis jetzt weitgehend entzogen hat.

Zum Programm

Im Anschluss an das Seminar veröffentlichete Berlin Postkolonial am 29.10.2018 eine Pressemitteilung zur Forderung nach Rückgabe gestohlener Körperteile von Kolonisierten, die Sie hier nachlesen können.

 

100 Jahre nach dem Ende des deutschen Kolonialreichs hat das bundesweite Netzwerk zur Dekolonisierung der Erinnerungskultur, dem auch wir als Tanzania-Network.de angehören, auf dem Bundestreffen am 17.-18. November 2018 eine gemeinsame Erklärung mit einer Reihe von Forderungen an die Bundesregierung, die Bundesländer und die Kommunen formuliert:

Wir fordern

1)    den Kolonialismus entsprechend der Erklärung der UN-Weltkonferenz gegen Rassismus von Durban 2001, welche die Bundesregierung unterzeichnet hat, als Unrecht zu benennen und unmissverständlich zu verurteilen.

2)    jegliche Forschung an menschlichen Überresten aus kolonialen Kontexten, dienicht der Rückführung dieser Gebeine dient, sofort zu stoppen.

 3)   dem Beispiel der Bundesländer Hamburg und Berlin zu folgen, welche die Nachfahr*innen der Opfer des deutschen Genozids (1904–08) an den Herero und Nama bereits um Entschuldigung gebeten haben.

4)    Provenienzforschung zu Kulturobjekten aus kolonialen Kontexten in deutschen Museen und Sammlungen mit erheblich mehr finanziellen Mitteln auszustatten und voranzutreiben.

5)    Restitutionen von gewaltsam angeeigneten Kulturgütern folgen zu lassen.

6)    umfassende Konzepte zur kritischen Auseinandersetzung mit der Kolonialgeschichte und seinen Folgen sowie zur Dekolonisierung der Erinnerungskultur auf der Ebene des Bundes, der Länder und Kommunen zu erarbeiten.

7)    Mahnmale für die Opfer von Kolonialismus, Versklavung und Rassismus sowie Lern- und Gedenkstätten zu errichte.

8)    die nach Kolonialherren benannten Straßen und Plätze oder solche, die oder rassistische Fremdbezeichnungen fortschreiben, umzubenennen.

9)    den schulischen und universitären Geschichtsunterricht zu globalisieren und zu diversifizieren.

10)  Die öffentlichen Museen zu dekolonisieren.

Lesen Sie die Erklärung hier in voller Länge.