Globale Gerechtigkeit im Kontext Tansanias

Das Tanzania-Network.de beschäftigt sich in seiner inhaltlichen Arbeit mit verschiedenen Schwerpunktthemen. Diese werden in Seminaren und Arbeitsgruppen gemeinsam erarbeitet und in weiterführenden Informationsmöglichkeiten sowie in entwicklungspolitischer Lobby- und Kampagnenarbeit vertieft. 


Für die Jahre 2017 und 2018 hat das Tanzania-Network das Schwerpunktthema "Globalisierung im Kontext Tansanias" gewählt.

Mit der Globalisierung sind die Menschen enger zusammengerückt. Globales Wachstum suggeriert, dass sich die Lebensbedingungen aller Menschen auf lange Sicht verbessern. Bei genauem Hinschauen werden allerdings Unterschiede sichtbar. Untersuchungen wie von OXFAM machen deutlich: Wachstum geschieht oft zugunsten einer privilegierten Minderheit, während sich die Lücke zwischen Reichen und Armen weiter vergrößert. Ursachen und Zusammenhänge von Armut und sozialer Benachteiligung sind komplex und können schon lange nicht mehr allein auf der Ebene einzelner Staaten gelöst werden, sondern müssen auf globaler Ebene angegangen werden. Im Blick auf Tansania erfordert das, dass Entwicklungen nicht auf innertansanische Dynamiken reduziert werden dürfen, sondern globale und historische Einflüsse, Akteure und Wirkungen beleuchtet werden müssen. Unter dem Einfluss globaler Akteure, wie internationale Investor*innen, Institutionen, Staaten und Organisationen, aber auch von Tourismus, Partnerschaftsgruppen und Privatpersonen entstehen Machtdynamiken in Tansania, unter denen soziale, ökonomische und politische Teilhabe stetig neu verhandelt werden. Wie an anderen Orten geraten dabei zivilgesellschaftliche Akteure, die sich für mehr Teilhabe und Mitbestimmung einsetzen, zunehmend unter Druck. 

 

Aktivitäten zum Schwerpunktthema

Studientage 

Die Einladung, das Programm sowie die Online-Anmeldung finden Sie hier

Studientag 'Klimagerechtigkeit – tansanische Perspektiven' am 11. März 2017 und HABARI 2/2017 

Wir legen aus der Sicht Tansanias den Fokus auf die Fragestellung, wie die Menschen von Klimaveränderung betroffen sind, welche Antworten sie darauf formuliert haben und was für Maßnahmen, die die Weltgemeinschaft beschlossen haben, bereits umgesetzt werden. Wir suchen nach Lösungsansätzen, diskutieren sie und entwickeln Handlungsmöglichkeiten. 

Seminar 'Stad/tliche Perspektiven für Tansania' vom  28. und 29.10.2017 und HABARI 4/2017 

1960 lebten 95% der Tansanierinnen und Tansanier auf dem Land, 2015 dagegen nur noch 68%. Das Seminar beleuchtet die zugrundeliegenden Dynamiken, beschäftigt sich mit den Auswirkungen der Verstädterung auf die tansanische Gesellschaft und den Strategien, die Menschen in der Stadt und auf dem Land anwenden, um ihr Überleben zu sichern. Statt das 'Nicht-Funktionieren' aus westlicher Sicht in den Vordergrund zu stellen, werden kreative Anpassungen im städtischen Infrastruktursystem betrachtet.  

Studientag „Beyond aid – Paradigmenwechsel in der Entwicklungszusammenarbeit?“ am 17. März 2018 und HABARI 1/2018 

Wir setzen uns kritisch mit der deutsch-tansanischen Entwicklungszusammenarbeit auseinander, beleuchten die aktuelle und vergangene Afrikapolitik der Bundesregierung und widmen uns der Frage, welche Zukunftsperspektiven Tansania für sich selbst entwickelt hat. Dabei sollen die vorherrschenden Entwicklungskonzepte diskutiert und hinterfragt werden. 

Seminar "Spuren der Kolonialzeit in Tansania und Deutschland" vom 26.-28.10.2018 und HABARI 4/2018 

Den 100. Jahrestag des Endes des ersten Weltkriegs, der in Ostafrika auf Kosten der Afrikaner*innen geführt wurde, nehmen wir zum Anlass, uns mit den weitreichenden Auswirkungen des deutschen Kolonialismus auseinanderzusetzen. Kolonialrassismus beeinflusst bis heute Denk- und Gesellschaftsstrukturen und das Zusammenleben der Menschen weltweit. Wir blicken außerdem auf die Erinnerungskultur in Tansania und Deutschland. 

 

Weitere HABARI-Themen 

Die HABARI-Magazine können Sie hier  online bestellen. 

HABARI 1/2017: Bildung und Ausbildung: 

Das Heft gibt einen Überblick zur Situation in Tansania und stellt den Zusammenhang und Vergleich zu Gesellschaften des globalen Nordens her. Es blickt auf Chancengleichheit und Bildungsgerechtigkeit und analysiert historische Aspekte von kolonialer und missionarischer Bildungspolitik.  

HABARI 3/2017 Zivilgesellschaft unter Druck: 

Unter Präsident Magufuli kam es zu einer Reihe von Gesetzesänderungen, die NGOs und politische Stiftung stark in ihrer Arbeit einschränkt. Wie lässt sich der Kurs des aktuellen tansanischen Präsidenten in die globale Entwicklung einordnen? Was bedeutet der Druck, der auf zivilgesellschaftliches Engagement ausgeübt wird für die tansanisch-deutsche Zusammenarbeit? 

HABARI 01/2018: Gerechter Tourismus 

Tansania zieht jährlich ca. 1 Mio. Besucher*innen an. Der Tourismussektor schafft einerseits Arbeitsplätze und bringt Devisen ins Land, andererseits profitieren vor allen ausländische Hotelbesitzer und Tourismusfirmen. Wir fragen zusammen mit tansanischen Autor*innen, wie ein gerechter Tourismus zugunsten der Menschen in Tansania aussehen kann und zeigen welche Entwicklungen und Projekte es bereits gibt. 

HABARI 3/2018: "Tansania im Kontext des indischen Ozeans und Chinas"  

In Konkurrenz um zukünftige Transportrouten steht Tansania im Wettbewerb mit anderen Anrainerstaaten des Indischen Ozeans. China investiert in Tansania und sichert sich dadurch den Zugriff auf wichtige Rohstoffe. Tansania ist auch Absatzmarkt für chinesische Waren. Andere einflussreiche Länder sind Indien und der Oman durch die traditionell starken interpersonellen Beziehungen. Auch der globale Norden beeinflusst durch Entwicklungs- und Handelspolitiken das Beziehungsgefüge Tansania – indischer Ozean – China.