URANIUM-NETWORK.ORG | Rundbrief 1/2014

Liebe Mitstreiterinnen und Mitstreiter,

dies ist dieses Jahr der erste Rundbrief von uranium-network.org, das weltweit verschiedene Organisationen, die sich gegen Uranbergbau einsetzen, vernetzt.

Angesichts der weitreichenden Konsequenzen des Bergbaus und auch der Exploration von Uran für Mensch und Natur wollen wir Euch alle paar Monate über wichtige Neuigkeiten auf diesem Gebiet informieren.

Der Rundbrief umfasst unter I. Aktuelles rund um den Uranbergbau Beiträge von kulturellen Veranstaltungen bis hin zu Nachrichten über Uranfirmen und soll ebenso Einblicke in die Auswirkungen des Bergbaus geben wie auch in die Widerstände dagegen. Dieses Mal stehen insbesondere die Situation des Uranbergbaus in Niger und der französische Atomkonzern Areva im Fokus.

Der Teil II. Unsere Aktivitäten widmet sich unseren eigenen aktuellen Projekten im Kampf gegen den Uranbergbau, derzeit mit einem Schwerpunkt in Tansania.

 

Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen / Euch

das Team von uranium-network.org

 

Inhalt

I. Aktuelles rund um den Uranbergbau

  1. Uranpreis weiter niedrig: Führende Unternehmen skeptisch, China auf dem Vormarsch

  2. Niger: Proteste gegen französischen Atomkonzern Areva

  3. Zentraltansania I: Uranex hinterlässt Müll nach Explorationsarbeiten

  4. Zentraltansania II: Dammprojekt in Bahi

  5. Proteste in der Mongolei

 

II. Unsere Aktivitäten

  1. Einladungen willkommen I: Deutschlandtour mit Anthony Lyamunda

  2. Einladungen willkommen II: Europatour mit Almoustapha Alhacen

  3. Geplant: Förderverein für CESOPE

  4. Oktober 2014: Uran-Konferenz in Niger

 

III. Mehr zu uranium-network.org

 

 

I. Aktuelles rund um den Uranbergbau

1. Uranpreis weiter niedrig: Führende Unternehmen skeptisch, China auf dem Vormarsch

Der Uranpreis der letzten sechs Monate ist extrem wechselhaft und lässt weiter auf den von einigen Unternehmen ersehnten Anstieg warten. Im Vergleich der letzten 19 Jahre sinkt der Uranpreis allerdings weiterhin. Wie wir schon zuvor berichteten, liegen daher Projekte auf Eis und einige Minen schließen.

So hat Paladin sein Kayelekera-Uranbergwerk in Malawi vorübergehend geschlossen, bis der Uranpreis wieder steigt. Zuvor hatte der Konzern bereits immer mehr ArbeiterInnen entlassen und vergeblich versucht, anderweitig Kosten einzusparen. Auch die erst 2012 in Produktion gegangene Trekkopje Mine in Namibia, betrieben von Areva, wurde aufgrund mangelnder Rentabilität geschlossen.

Jetzt zeigt sich zudem der Uranmarktführer Cameco skeptisch: Das kanadische Unternehmen rückt von seinem Produktionsziel für 2018 ab, weil es einen Angebotsüberhang in den kommenden Jahren erwartet, der einen möglichen Uranpreisanstieg verhindert. Was das für Auswirkungen auf den Uranmarkt hat, bleibt noch abzuwarten.

Spannend bleibt Chinas Rolle im Urangewerbe: Im Jahr 2013 hat das Land ca. 18.968 Tonnen Uran importiert, ca. ein Drittel der Weltproduktion. Es scheint, China nutzt den niedrigen Uranpreis, um sich einen Vorrat anzulegen und damit seine geplanten Atomkraftwerke zu bestücken.

 

2. Niger: Proteste gegen französischen Atomkonzern Areva

Die Situation um den Uranbergbau in Niger, aus dem Frankreich einen großen Teil seines Uranbedarfs bezieht, ist angespannt: Zum 31. Dezember 2013 liefen die Verträge zwischen dem französischen Atomkonzern Areva und der Regierung von Niger über den Uranbergbau und die finanzielle Beteiligung der nigrischen Regierung aus. Bis zum Jahresende war es nicht gelungen, neue Verträge auszuhandeln, da Areva sich weitestgehend weigert, die Bedingungen zu ändern. Dagegen machte sich die Regierung von Niger Forderungen aus der Bevölkerung zu eigen, stärker vom Uranbergbau profitieren zu wollen. Der Druck wurde durch die Unterstützung französischer NGOs sowie von Oxfam verstärkt.

Die Nachrichtenagentur Reuters stellt in einem Spezialbericht über die wirtschaftlichen Zusammenhänge und Auswirkungen des Uranbergbaus in Niger u.a. fest, dass AREVA für viele Vorgänge Steuerbefreiungen hat und massiv davon profitiert - zum Nachteil von Niger.

Ab 1. Januar 2014 wurde deshalb die Urangewinnung eingestellt, Areva beschäftigte aber die Arbeiter mit Aufräumungs- und Instandhaltungsarbeiten weiter. Die Produktion von Uran wurde Anfang Februar 2014 wieder aufgenommen; über ein Ergebnis der Verhandlungen bzw. einen neuen Vertragsabschluss ist bisher nichts endgültiges bekannt. Aktuelle Informationen finden sich z.B. hier.

Frankreich hat inzwischen seine Militär-Präsenz in Niger erheblich verstärkt und aus Niger wird berichtet, dass drei Militär-Stützpunkte errichtet werden - einer davon in Agadez, ca. 120km von den Uranbergwerks-Region entfernt; darüber hinaus nutzt Frankreich Informationen von US-amerikanischen Drohnen und will selbst solche Drohnen anschaffen, um die Region zu überwachen.

 

Kommentar

Als Gegner des Uranbergbaus sehen wir diese Entwicklungen mit gespaltenen Gefühlen: Einerseits ist es verständlich, dass Niger und die Menschen dort mehr vom Uranbergbau profitieren wollen - andererseits sagt uns die weltweite 50-jährige Erfahrung mit Uranbergbau, dass dieser niemals sicher zu bewerkstelligen ist. Aufgrund der erhöhten Strahlung erkranken viele Menschen schwer bzw. sterben vorzeitig und langfristige Umweltschäden sind die Folge. Uranbergbau ist schon jetzt ein massives Problem und wird dies auch für viele zukünftige Generationen bleiben. Insofern sehen wir die Einstellung des Uranbergbaus als unumgänglich an. Gleichzeitig sind aber die Firmen dazu zu verpflichten, gründlichste Aufräumungsarbeiten zu leisten, Arbeitsschutz sicherzustellen und die erkrankten bzw. die Nachkommen verstorbener Menschen zu entschädigen.

 

 

3. Zentraltansania I: Uranex hinterlässt Müll nach Explorationsarbeiten

Die australische Firma Uranex hat in den letzten Jahren intensive Explorationsarbeiten im zentraltansanischen Manyoni durchgeführt. Das bei den Probebohrungen anfallende Material kann Uran und alle seine Zerfallsprodukte enthalten. Daher müssen sowohl die Bohrlöcher nach der Exploration verschlossen, als auch die Proben fachgerecht entsorgt werden. Als Geschenk der besonderen Art hat die Firma jedoch tonnenweise in Plastiksäcke abgepackte Gesteinsproben aus den Probebohrungen hinter dem nächsten Gebüsch verscharrt.

CESOPE war vor Ort und hat die Sache dokumentiert. Offensichtlich haben EinwohnerInnen in der Annahme, dieses Material könne von Wert sein, Säcke ausgegraben und mit nach Hause genommen.

Der Urananteil in den Erkundungsgebieten in Tansania ist verglichen mit anderen Teilen der Welt extrem niedrig. Von daher zeigen Vorfälle wie dieser einmal mehr, dass internationale Unternehmen auch deshalb in Tansania Uran abbauen wollen, weil sie sich weniger strikte Kontrollen sowie laxere Gesetze zur Entsorgung erhoffen.

 

4. Zentraltansania II: Dammprojekt in Bahi

Die Region Bahi in Zentraltansania stand im letzten Jahr stark im Fokus unserer Aktivitäten, nachdem Augen- und Hautprobleme nach Probebohrungen aufgetreten waren. Als wäre der geplante Uranbergbau nicht genug, drohen nun neue Gefahren für das Feuchtland von Bahi: in der Nähe der Kleinstadt Farkwa, nördlich von Bahi soll ein Staudamm entstehen, der einen der wichtigsten Zuflüsse des Feuchtgebiets zu einem großen See aufstaut, was gravierende ökologische und ökonomische Folgen nach sich zöge.

Das Feuchtland von Bahi und der Fluss Bubu sind Lebensadern im ansonsten sehr trockenen Zentraltansania. Reisanbau, Fischfang, Salzgewinnung und andere von Fluss und Feuchtland abhängige Aktivitäten bilden die Lebensgrundlage der Bevölkerung. Zudem ist das Feuchtland von Bahi ein wichtiger Bestandteil des ostafrikansichen Flamingo-Habitat-Netzwerks und erfüllt damit Grundbedingungen, um im Rahmen der internationalen RAMSAR-Konvention geschützt zu werden.

CESOPE konnte ausfindig machen, dass sich das Projekt in einem fortgeschrittenen Planungsstadium, befindet und ein Umwelt- und Sozialverträglichkeitsgutachen bereits durchgeführt wurde. Dabei wurden Betroffene, AnwohnerInnen und selbst die lokalen Behörden unzureichend informiert.

Angeblich soll das Projekt vor allem der Sicherung der Trinkwasserversorgung der wachsenden Hauptstadt Dodoma dienen und neue effiziente Möglichkeiten zur Bewässerung und zum Fischfang eröffnen. Es bleibt jedoch unklar, ob und wie diese Zeile erreicht werden können, bzw. welche Alternativen zur Trinkwassergewinnung zur Verfügung stehen. Auch gibt es bislang keine Pläne, was mit den Menschen geschehen soll, die von den negativen Folgen betroffen sein werden. Zudem kursieren vor Ort Vermutungen, dass das Dammprojekt mit dem Uranbergbau in Verbindung stehen könnte.

Das Projekt wird unter Beteiligung der Weltbank vom Wasserministerium in Dar es Salaam geplant. 2000 wurden von einer internationalen Kommission zur Bewertung von Dammbauprojekten internationale Sozial- und Umweltkriterien festgelegt, denen die Weltbank verpflichtet ist. Wir wollen die Bevölkerung unterstützen, diese einzufordern.

 

5. Proteste in der Mongolei

Die Proteste von Atom-GegnerInnen in der Mongolei setzen sich auch nach Unterzeichnung des dreiseitigen Abkommens zwischen französischer Regierung, mongolischer Regierung und Areva im November 2013 fort. Auslöser der letzten Protestwelle war das plötzliche Sterben von Vieh nach Probebohrungen des Uranunternehmens im Frühjahr 2013.

Inzwischen wurde bekannt, dass einige der AktivstInnen, die die Proteste mit organisiert hatten, zu massiven Haftstrafen verurteilt worden sind, in einem Fall zu 21 Jahren.

Am 18. Februar 2014 demonstrierten AtomgegnerInnen und NomadInnen, die vom Uranbergbau bedroht sind, in Ulan Bataar: 30 - 40 Menschen haben ihren Protest am Parlament, vor dem Firmengebäude von Areva und bei der französischen Botschaft in der Mongolei gezeigt.Die DemonstrantInnen sind nach dem Besuch bei Areva vor die Französische Botschaft gezogen und haben dort ebenso ein Protestschreiben überreicht.

Weitere Hintergrundinformationen finden sich u.a. hier und hier.

 

 

 

II Unsere Aktivitäten

1. Einladungen willkommen I: Deutschlandtour mit Anthony Lyamunda

Anthony Lyamunda, der Vorsitzende von CESOPE (unser Hauptpartner in Zentraltansania), wird vom 30. März bis 14. Mai in Deutschland sein. Anthony setzt sich seit dem Bekanntwerden der Uranpläne in Tansania im Jahr 2008 gegen diese Pläne und für den Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen vor allem im Feuchtland von Bahi ein. Er kann aus erster Hand von den Herausforderungen eines solchen politischen Engagements und der Situation der Menschen vor Ort, die in einem Entwicklungsland wie Tansania ums tägliche Überleben kämpfen, berichten. Von uranium-network.org aus wollen wir eine Rundtour mit ihm organisieren.

 

Noch sind einige Termine frei – gerne könnt Ihr Anthony zu Euch einzuladen oder eine Veranstaltung mit ihm organisieren! Reise- und Unterbringungskosten müssen dabei selbst getragen werden.

Anfragen sobald als möglich an Martin Kurz: MartinKurz1[at]gmx.de oder 0151 452 56 506.

 

An dieser Stelle möchten wir auch noch einmal darauf hinweisen, dass uranium-network.org eine Ausstellung erstellt hat, die die Situation in Tansania anschaulich darstellt. Diese kann gern verliehen werden, und wir kommen auch gern für Vorträge etc. vor Ort.

 

 

2. Einladungen willkommen II: Europatour mit Almoustapha Alhacen

Almoustapha Alhacen, Mitbegründer der NGO Aghirinman aus Niger, die sich kritisch mit dem Uranbergbau in Arlit, Niger, auseinandersetzt, kommt nach Europa, um über die Situation des Uranbergbaus in Niger zu berichten (vgl. dazu I.2.). Vom 20. bis 28. Juni wird er sich in Deutschlandaufhalten - wir würden uns freuen, wenn Initiativen die Möglichkeit nutzen, eine Veranstaltung mit Almoustapha Alhacen zu organisieren.Darüber hinaus wird er in Frankreich (6. bis 14. Juni) und Österreich (15. bis 19. Juni) sein, sowie in der Schweiz.

Deutsche Atomkraftwerke beziehen einen großen Teil des Urans von Areva, welches vor allem im Niger Uran abbaut. Leider ist dieser Zusammenhang von der deutschsprachigen Presse bislang wenig hervorgehoben worden. Von daher freuen wir uns auch über Kontakte zur Presse!

 

Bitte wendet Euch an: Günter Wippel: gunterwippel[at]aol.com oder 0162 822 87 17.

 

3. Geplant: Förderverein für CESOPE

CESOPE leistet seit Jahren eine sehr wertvolle Arbeit auf lokaler Ebene in Zentraltansania rund um das Feuchtgebiet von Bahi. Dabei geht es nicht nur darum, die Menschen über die Gefahren des Uranbergbaus aufzuklären und darüber zu informieren, wie sie als tansanische StaatsbürgerInnen ihre Rechte einfordern können. CESOPE leistet auch vielfach konkrete Hilfe, wird zu Rate gezogen, wenn Polizeikräfte widerspenstige DorfbewohnerInnen bedrängen oder Beamte unangemessene Drohungen in den Raum stellen. Als Anfang 2013 nach Explorationsarbeiten merkwürdige Haut- und Augenproblemen bei Reisbauern und -bäuerinnen auftraten, versuchte CESOPE Aufklärung zu leisten und kümmerte sich sogar um die medizinische Versorgung.

Über das Uranproblem hinaus setzt sich CESOPE auf vielfältige Weise für eine demokratische und nachhaltige Entwicklung ein. In diesem Sinne kämpft CESOPE auch für den Erhalt von Waldgebieten, betreibt ein kleines Baumschulprojekt und denkt an den Aufbau einer Lehrerausbildungsstätte in Bahi.

Die Arbeit von CESOPE war in den vergangenen Jahren möglich aufgrund der finanziellen Unterstützung von Partnern wie Stiftung Umverteilen in Berlin, SEZ Stuttgart und das Büro der Rosa-Luxemburg-Stiftung in Dar es Salaam, sowie den kirchlichen Trägern Brot für die Welt und Misereor.

Allerdings bleiben immer wieder Finanzierungslücken, die nicht in formalen Förderverträgen unterzubringen sind, vor allem wenn CESOPE spontan auf Ereignisse vor Ort reagieren muss oder bei größeren Anschaffungen wie etwa einem letztes Jahr dringend benötigten Auto oder einer Minimalausstattung des Büros. Um die finanzielle Unterstützung in diesem Sinne zu verstetigen, wollen wir unter dem Dach von Menschenrechte 3000 e.V. (unter dem auch uranium-network.org als AG organisiert ist) einen Förderkreis für die Arbeit von CESOPE starten.

Aktive Mitarbeit sowie einzelne oder regelmäßige Spenden sind herzlich willkommen. Spendenkonto siehe unten, Kennwort „CESOPE“.

 

 

4. Oktober 2014: Uran-Konferenz in Niger

Im November 2014 soll eine Konferenz zu den Auswirkungen des Uranbergbaus in Niger stattfinden (soweit es die Sicherheitslage erlaubt).

Damit ist diese die dritte einer Reihe von Konferenzen, die IPPNW zusammen mit uranium-network.org und lokalen Anti-Uran-Organisationen organisiert – im März 2012 in Bamako, Mali, und im Oktober 2013 in Dar es Salaam, Tansania.

Mehr Informationen finden sich demnächst auf unserer website.

 



III Mehr zu uranium-network.org

Die website von uranium-network.org wird gerade überarbeitet: Mit dem afrikanischen Kontinent beginnend, legen wir Landkarten an, über die die geplanten und die existierenden Uranbergwerke sowie die Probleme aus inzwischen stillgelegten Bergwerken 'visualisiert' werden: Per Mausklick kommt man dann zu den näheren Informationen - die wir auch gerade Land für Land weiter aufbereiten und aktualisieren.



Facebookfacebook.com/UraniumNetwork - hier werden regelmäßig Links zu Veranstaltungen oder Artikeln gepostet.

Internationaler Uranverteiler: Anmeldung über mail@uranium-network.org – mit uranbezogenen Informationen, zumeist auf Englisch.

 

Für Anmerkungen und Hinweise, sowie Abmeldungen von diesem Rundbrief wendet Euch bitte an: mail@uranium-network.org

 

Für Spenden – insbesondere für die Arbeit von CESOPE in Tansania – sind wir sehr dankbar: Menschenrechte 3000 e.V.; Volksbank Freiburg, BLZ 680 900 00; Kontonummer 21 33 57 03.

 

 

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Impressum: uranium-network.org

 

uranium-network.org ist ein Projekt von

MENSCHENRECHTE 3000 e.V.

Postfach 5102

79018 Freiburg

 

Für seine Unterstützung danken wir Peter Diehl, verantwortlich für das WISE Uranium Project.