Politischer Flashmob und Spontandemanostration zur Umbennenung der Mohren- in Mandelastrass

Pressemittelung 

Samstag, den 15.03.14, kamen bei einem politischen Flashmob rund 80 Teilnehmende zum „antirassistischen Kaffeetrinken“ im U-Bahnhof Mohrenstraße zusammen, um gemeinsam gegen den diskriminierenden Straßennamen zu demonstrieren. Nach Ankunft der Polizei wurde eine Spontandemonstration angemeldet und die Teilnehmenden liefen in einem Demonstrationszug die M-Straße hinunter.

„Seit mehr als 20 Jahren wehrt sich die Black Community gegen den kolonialrassistischen Straßennamen, der auf die Zeit des brandenburgisch-preußischen Handel mit Versklavten zurückgeht“, rief eine der Teilnehmenden während der Abschlusskundgebung. „Dennoch will sich die weiße Bevölkerungsmehrheit in Mitte nicht von ihm trennen. Als längst überfälliges und deutliches Zeichen gegen Rassismus fordern wir die unverzügliche Umbenennung in Nelson-Mandela-Straße!“

Bei der Aktion ging es nicht nur um den rassistischen Straßennamen, sondern auch um die Erhöhung der Aufmerksamkeit auf Rassismus in Deutschland. Die M-Straße verbildlicht dieses Problem lediglich. Dazu hieß es während der Kundgebung: „Rassismus ist kein Randphänomen, sondern Teil der Deutschen Geschichte und Gegenwart.“

Während des Flashmobs saßen die Teilnehmenden über den Bahnsteig verteilt auf Decken und teilten Kaffee und Kuchen. Anschließend an den etwa halbstündigen Flashmob konnte eine Spontandemonstration angemeldet werden. Der Demonstrationszug folgte dabei dem Verlauf der M-Straße. Am Ende der Straße wurde eine Kundgebung auf dem Hausvogteiplatz abgehalten.

Den Vorschlag, einen Platz vor dem neokolonialen Humboldt-Forum nach dem kürzlich verstorbenen Freiheitskämpfer zu benennen, lehnen wir entschieden ab. Mandela stand gegen Apartheid, Rassismus und Kolonialismus, sowie für ein gleichberechtigtes Miteinander aller Menschen.

Dies war bereits die zweite Aktion dieser Art und weitere werden folgen. Wir  wiederholen unsere Forderungen, bis der beleidigende Straßen- und Bahnhofsname verschwunden ist.

weiterführende Informationen

Geschichte der Straße und des Begriffs

Bereits im Jahr 2004 forderten Organisationen der Black Community Berlins geschlossen die Umbenennung der Straße, jedoch verwahrte sich vor allem die CDU einer Umbenennung und Innensenator Henkel erklärte paternalistisch, dass der Begriff nicht rassistisch sei. Später gab es immer wieder Aktionen, auch von anderen Gruppen, die Straße symbolisch umzutaufen und so auf die Problematik aufmerksam zu machen.

Besagte Straße ist nach den dort einquartierten versklavten Minderjährigen benannt, die der Große Kurfürst und seine Nachfolger, u.a. über die brandenburgisch-preußische Kolonie Groß Friedrichsburg an der Küste des heutigen Ghanas, nach Berlin verschleppen ließen.

Selbstverständlich sollte eine adäquate Weise gefunden werden, dieses erschreckenden Teils der deutschen Geschichte zu gedenken. Eine U-Bahnstation, die diesen Namen trägt, verweist jedoch nicht auf diese Geschichte, sondern stellt eine kolonialrassistische Beleidung dar.

Während die Termini „Sklaven“ und „Mohren“ in den Schriften der Handelnden während des Versklavtenhandels nahezu gleichbedeutend verwendet wurden, erhielt der Begriff „M.“ später mehr und mehr die Bedeutung „Schwarz“. Hier zeigen sich der Bedeutungswandel und die rassistische Verwendung des Begriffs.

In den Rasseideologien wurde versucht, den Begriff für „hellhäutigere Nordafrikaner_innen“ zu benutzen, und andere ebenfalls rassistische Begriffe für Afrikaner_innen südlich der Sahara wurden zur Unterscheidung und weiteren Abwertung der dortigen Menschen etabliert. In der Bevölkerung mischten sich die Begriffe jedoch und wurden alsbald gleichbedeutend abwertend verwendet.

Während der Begriff „M.“ heutzutage fast komplett aus der gesprochenen deutschen Sprache verschwunden ist, da er von anderen Begriffen abgelöst wurde, tragen immer noch viele Produkte und Orte diesen Namen.

Zum Ende der Aktion wurde die Umbenennung von einem Großaufgebot der Berliner Polizei gestört und beendet. In diesem Zusammenhang wurden auch die Personalien der von der Polizei für verantwortlich gehaltenen Personen festgestellt. Nichtdestotrotz hat die Aktion ein wichtiges Zeichen setzen können und wird von uns als Erfolg gewertet.