Decolonize Deutschland!

Pressemitteilung des Komitees für ein afrikanisches Denkmal in Berlin (KADIB), des Zentralrats der afrikanischen Gemeinde in Deutschland und solidarischer NGO

Zentrale Abschlussveranstaltungen zum 130jährigen Gedenken an die Berliner Afrika-Konferenz am 28. Februar in Berlin: Deutschlands afrikanische/Schwarze Community und solidarische Organisationen fordern symbolische und materielle Reparationen für Kolonialismus, Versklavung und rassistische Gewalt  

Heute vor 130 Jahren ging die vom deutschen Reichskanzler Otto von Bismarck nach Berlin einberufene Kongo- oder Afrika-Konferenz (15.11.1884 -26.02.1885) zu Ende. Auf der Konferenz einigten sich das Deutsche Reich, die USA, das Osmanische Reich und europäische Mächte wie Österreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Portugal, Russland, Spanien und Schweden-Norwegen darauf,  Afrika - wie einen Kuchen - aufzuteilen. 

Moctar Kamara , Vorsitzender der Zentralrates der afrikanischen Gemeinde in Deutschland, erklärt dazu: „Der 26. Februar wäre der Tag, an dem die Bundesregierung zur kritischen Auseinandersetzung mit dem deutschen Kolonialismus und Rassismus beitragen könnte. Stattdessen fördert sie – vor allem mit ihrer Leugnung des Genozids an den Herero und Nama und der Kolonialverbrechen in Tansania, Ruanda, Burundi, Togo und Kamerun - die kollektive Verdrängung der Kolonialgeschichte in diesem Land.“

Am Sonnabend 28.02.15 führen die Verbände der afrikanischen Gemeinde in Deutschland, u.a. unterstützt vom Berliner Landesnetzwerk der entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen BER und der Lehrergewerkschaft GEW, in Berlin den 9. Gedenkmarsch für die Opfer von Kolonialismus, Versklavung und rassistischer Gewalt durch. Hauptorganisator ist das Komitee für die Errichtung eines afrikanischen Denkmals in Berlin (KADIB). Das anschließende Forum im Roten Salon der Berliner Volksbühne richtet der Zentralrat der afrikanischen Gemeinde in Deutschland aus.

Die Hauptforderungen der Veranstalter an Bund, Länder und Kommunen sind:

  1. Zusammenarbeit mit der afrikanischen/Schwarzen Community bei der Errichtung eines zentralen Denkmals für die Opfer von Kolonialismus, Versklavung und rassistischer Gewalt in Berlin
  2. Bereitschaft der Bundesregierung zum Dialog mit den Herero und Nama über Reparationen für Enteignung, Vertreibung und Genozid in den Jahren 1904-08
  3. sofortiger Stop der Forschung an den Tausenden von menschlichen Gebeinen, die während der Kolonialzeit – vor allem aus den ehemals deutschen Kolonien Namibia, Kamerun, Togo, Tansania, Ruanda und Burundi - zu rassistischen Forschungszwecken nach Deutschland verschleppt wurden. Unverzügliche Rückführung aller außereuropäischen menschlichen Gebeine in den Depots der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und in anderen wissenschaftlichen Einrichtungen der Bundesrepublik
  4. Rehabilitierung von afrikanischen Widerstandskämpfer_innen, die vom deutschen Kolonialregime verurteilt und hingerichtet wurden (z.B. Rudolf Duala Manga Bell aus Kamerun, Hehe-Chief Mpangile und Chagga-Chief Meli aus dem heutigen Tansania)
  5. Moratorium für das Humboldt-Forum im Berliner Schloss: Keine Ausstellung von Kulturschätzen und Ritualobjekten, die sich Preußen in der Kolonialzeit angeeignet hat. Intensive Zusammenarbeit mit den Herkunftsgesellschaften bei der gründlichen Erforschung der Provenienz von Objekten aus der Kolonialzeit in allen deutschen Museen
  6. Einrichtung einer Bundesstiftung zur Förderung deutsch-afrikanischer Wissenschafts- und Bildungsprojekte zur kritischen  Auseinandersetzung mit Kolonialismus, Versklavung und rassistischer Gewalt
  7. Zusammenarbeit mit der afrikanischen/Schwarzen Community bei der Einsetzung einer Forschungsgruppe zum bisher kaum untersuchten Thema „Schwarze Menschen im Nationalsozialismus“
  8. Zusammenarbeit mit der afrikanischen/Schwarzen Community bei der Erarbeitung von Konzepten zur Dekolonisierung des öffentlichen Raums (u.a. kritischer Umgang mit Kolonialdenkmälern; Umbenennung von Straßen, die Kolonialverbrecher ehren, zur Würdigung afrikanischer Personen; Schaffung von diskriminierungsfreien Museen)
  9. Intensive und diskriminierungsfreie Behandlung von Globalgeschichte (Kolonialismus, Imperialismus, Versklavung, Rassismus, Migration) in der schulischen und außerschulischen Bildung (Pflichtthemen: Brandenburgisch-preußischer Versklavungshandel, Berliner Afrika-Konferenz, Genozid an den Herero und Nama, Maji-Maji-Krieg und 1. Weltkrieg in Tansania, Verfolgung Schwarzer im NS)

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