Veranstaltgungshinweis: Flinntheater Themenschwerpunkt 2016: Kolonialgeschichte Deutsch-Ostafrika

Wir möchten sehr gerne auf zwei Veranstaltungen des Flinntheaters zu den Themen Schädelraub und Maji-Maji-Krieg hinweisen!

Schädel X

In den Kellern deutscher Universitäten und Museen lagern tausende Schädel aus den ehemaligen Kolonien. Sie entstammen überwiegend einem Unrechtskontext - sie wurden ausgegraben oder von den Leichen hingerichteter "Aufständischer" abgetrennt und als Trophäe nach Deutschland verschickt. In anthropologischen Instituten betrieben Wissenschaftler_innen Rassenforschung an diesen Schädeln, Berlin wurde mit Rudolf Virchow und Felix von Luschan zum Zentrum der Schädelsammler_innen. 100 Jahre später mehren sich Forderungen nach einer würdevollen Behandlung und Restitution dieser Schädel an die Nachfahren. Zögerlich beginnen Universitäten und Museen mit der Aufarbeitung dieses dunklen Kapitels ihrer Geschichte.

Ein Schädel bildet auch das Zentrum der Lecture Performance Schädel X. Zwei biografische Geschichten kreisen um ihn. Sie führen von Tansania und Deutschland über Archive, Konsulate, Schlachtfelder und Labore durch die deutsche Kolonialgeschichte ins Innerste des eigenen Schädels. Mit (medizin-)historischen Dokumenten und O-Tönen verbinden sie sich zu einer skurrilen, (post-)koloniale Irrfahrt zwischen Wissenschaft, Politik und Theater.

Premiere: April 2016 in Berlin

Aufführungen am 04., 05., 06. und 07. Mai jeweils um 20:00 Uhr in der Kantine der Sophiensäle

Weitere Informationen

The Maji Maji Project

Der Maji-Maji-Aufstand forderte die deutsche Kolonialverwaltung heraus und wurde schließlich auf grausame Art niedergeschlagen. Während der Aufstand im postkolonialen Tansania seit den 1960ern als nationaler Mythos gilt, weil die verschiedenen ethnischen Gruppen der Kolonie hier erstmals vereint auftraten, ist er in Deutschland nahezu vergessen. Mit The Maji Maji Project untersucht das Flinntheater in Koproduktion mit Asedeva, Dar es Salaam/Tanzania und in Kooperation mit dem Staatstheater Kassel die diskrepante Wahrnehmung der geteilten Geschichte. Im Laufe eines mehrstufigen Recherche-, Workshop- und Probenprozesses in Tansania und Deutschland setzt sich das binationale Team mit verschiedenen Perspektiven auf die Kolonialgeschichte und den Maji-Maji-Kult auseinander.

Der Maji-Maji-Krieg begann 1905 im damaligen Deutsch-Ostafrika, im heutigen Tansania, und kostete bis zu seinem Ende 1907 bis zu 300.000 Afrikanern und nur etwa 400 deutschen Soldaten das Leben. Er muss im Kontext der deutschen Kolonialpolitik gesehen werden, die mit der Ausbeutung, Unterdrückung und Entwürdigung der Bevölkerung einher ging. Der Krieg erstreckte sich über fast den gesamten Süden des heutigen Tansania – ein Gebiet so groß wie Deutschland – und ungefähr zwanzig Volksgruppen.

Premiere: 30.9.2016 im tif / Staatstheater Kassel

Weitere Informationen

Die Folgen des Maji-Maji-Krieges, von Jigal Beez