Milchexport der EU stürzt afrikanische Bauern in die Krise

In der Europäischen Union (EU) wird Milch derzeit im Übermaß produziert, wodurch der Milchpreis ins Bodenlose gefallen ist. Die Überproduktion von Milch in der EU stürzt MilcherzeugerInnen weltweit in die Krise. Das zeigt eine Analyse, die Germanwatch, die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft und die Aktion Agrar vorgelegt haben. Die NGOs fordern sofortige Schritte, um die Milcherzeugung in der EU zu verringern.

Dies sei der einzige Weg, die sich seit mehr als einem Jahr verschärfende Krise auf dem europäischen Milchmarkt in den Griff zu bekommen, erklärten die Organisationen. Die Erzeugerpreise verharrten auf einem historisch niedrigen Niveau. Immer mehr Betriebe geben auf. Wenn sich die Lage nicht bald bessere, drohe ein drastischer Strukturbruch, warnen die drei Organisationen. "Ohne ein schnelles Gegensteuern wird von einer bäuerlichen Milcherzeugung kaum etwas übrig bleiben", fürchtet Tobias Reichert, Leiter des Teams Welternährung bei der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch.

Betroffen sind nicht nur MilchbäuerInnen in der EU. Die weiter wachsende Produktion und der Export aus der EU sind auch maßgeblich für den Einbruch der Weltmarktpreise verantwortlich, so die Analyse. "Europäische Molkereien haben vor allem ihren Export von billiger Massenware, wie dem mit Pflanzenfett angereicherten Magermilchpulver, gesteigert", erklärte Reichert. "Damit treiben sie die Krise in die Länder des globalen Südens. Sie verschärfen so die Konkurrenz zu Milcherzeugern in armen Ländern wie Burkina Faso oder Nigeria, die mit den Billigimporten nicht mithalten können. Entwicklungspolitische Anstrengungen, die Armut auf dem Land zu bekämpfen, werden dadurch konterkariert."

"Kredite und andere Liquiditätshilfen sind bisher in ihrer Wirkung verpufft. Staatliche Hilfen müssen daher mit einer spürbaren Mengenreduzierung verbunden sein", forderte Ottmar Ilchmann, stellvertretender Bundesvorsitzender der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. "Zusätzlich müssen die Molkereien den EU-Hilfsbetrag verdoppeln und Betriebe, die weniger Milch liefern, mit höheren Preisen honorieren."

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