Pressemitteilung vom 27.02.2018: Straßenumbenennungen in Berlins „Afrikanischem Viertel“: Maji-Maji-Allee statt Petersallee

Bündnis „Decolonize Berlin“ (Verein der Tansanier*innen in Berlin-Brandenburg - UWATAB, Tanzania-Network.de, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland – ISD, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag – BER, AfricAvenir International und Berlin Postkolonial)

PRESSEMITTEILUNG

27.2.2018

Straßenumbenennungen in Berlins „Afrikanischem Viertel“: Maji-Maji-Allee soll Ostafrikas bedeutenden Widerstand gegen den deutschen Kolonialismus würdigen

Die im NGO-Bündnis „Decolonize Berlin“ engagierten Verbände und Vereine fordern die Fraktionen der BVV Berlin Mitte zur Umbenennung der Petersallee in Maji-Maji-Allee auf.

Sie begrüßen die von einigen Fraktionen in der Presse vorab veröffentlichten Vorschläge zur Umbenennung der Lüderitzstraße und des Nachtigalplatzes - welche die „Gründer“ der ehemaligen Kolonien „Deutsch-Südwestafrika“ (heute Namibia) bzw. Kamerun und Togo ehren - in Würdigung von Persönlichkeiten des Befreiungskampfes dieser Länder. Die Ehrung der namibischen Nationalheldin Anna Mungunda und des von den Deutschen ermordeten kamerunischen Widerstandskämpfers Rudolf Douala Manga Bell im Lern- und Erinnerungsort "Afrikanisches Viertel" wurde von Hereros und Kameruner*innen immer wieder angeregt. Sie trägt damit ganz konkret zu einer historischen Perspektivumkehr und zur symbolischen Wiedergutmachung für die Verbrechen des deutschen Kolonialismus an den betroffenen Gemeinschaften bei.

Auf dieselbe Art und Weise muss nun auch die 1939 von den Nationalsozialisten nach dem kriminellen Begründer von "Deutsch-Ostafrika" Carl Peters benannte Petersallee umbenannt werden, d.h. hier sollte der tansanische Widerstand gewürdigt werden. Auch dazu sind von der Berliner Bevölkerung und von hier lebenden tansanischen Aktivist*innen bereits mehrere Vorschläge eingebracht worden.

In diesem Sinne spricht sich das NGO-Bündnis „Decolonize Berlin“ entschieden für den eingegangenen Vorschlag einer Umbenennung der Petersallee in Maji-Maji-Allee aus. Dadurch soll der in Deutschland kaum bekannte, größte Befreiungskampf der deutschen Kolonialzeit - der sogenannte Maji-Maji-Krieg 1905-07 in „Deutsch-Ostafrika“ - erinnert und gewürdigt werden. Der von mehr als 20 südtansanischen Gemeinschaften gemeinsam geführte Maji-Maji-Aufstand (benannt nach dem Kampfruf der Freiheitskämpfer*innen, der sich auf ein vermeintlich schützendes Maji = Wasser bezog) wurde durch das deutsche Kolonialregime erbarmungslos niedergeschlagen. Die von Deutschland angewandte „Strategie der verbrannten Erde“ kostete bis zu 300 000 Kindern, Frauen und Männern das Leben.

Der tansanische Aktivist und Stadtführer Mnyaka Sururu Mboro sagt dazu: „Ich führe jedes Jahr mehrere hundert Menschen durch das sogenannte Afrikanische Viertel und berichte von Deutschlands kolonialer Terrorherrschaft im heutigen Tansania. Soll es nun einen Lern- und Erinnerungsort zum deutschen Kolonialismus geben, der diesen bedeutenden Widerstandskampf in Deutschlands größter ehemaliger Kolonie weiter ignoriert? Eine Maji-Maji-Allee im Wedding würden wir als eine Form der symbolischen Wiedergutmachung sehen. Berlin könnte mit dieser Namensgebung beweisen, dass es seiner kolonialhistorischen Verantwortung gegenüber allen betroffenen Ländern gerecht werden will.“

Infos der Bundeszentrale für politische Bildung zum Maji-Maji-Krieg: http://www.bpb.de/politik/hintergrund-aktuell/209829/1905-der-maji-maji-aufstand

Kontakt Bündnis "Decolonize Berlin": buero(at)berlin-postkolonial.de, 01799 100 976