Pressemitteilung -und Einladung des Bündnisses "Völkermord verjährt nicht" vom 20.08.2018

Entschuldigung für Genozid jetzt! Mahnwache und transnationale Aktionen zu Deutschlands Rückgabe von Gebeinen der Herero und Nama geplant

Am 29. August 2018 um 10:30 Uhr sollen im Rahmen eines Gedenkgottesdienstes im Französischen Dom Berlin (Gendarmenmarkt 5, 10117 Berlin) während der Kolonialzeit geraubte Gebeine von Herero und Nama sowie die erbeutete Bibel des legendären Nama-Widerstandsführers Hendrik Witbooi an eine 45-köpfige Regierungsdelegation aus Namibia zurückgegeben werden.

Das bundesweite NGO-Bündnis "Völkermord verjährt nicht!" begrüßt die überfällige Rückführung der für rassistische Forschungen missbrauchten menschlichen Überreste und des im kolonialen Unrechtskontext angeeigneten Kulturobjekts von nationaler Bedeutung.

Die Nichtregierungsorganisationen protestieren jedoch gegen den nichtöffentlich-religiösen Charakter der Rückgabeveranstaltung und dagegen, dass in New York auf Teilhabe an den namibisch-deutschen Wiedergutmachungsverhandlungen klagende Vertreter*innen der Herero- und Nama-Opferverbände nicht eingeladen wurden.

Der Berliner Herero-Aktivist *Israel Kaunatjike* vom Bündnis „Völkermord verjährt nicht!“:

Warum schiebt die Bundesregierung die Rückgabe unserer missbrauchten Vorfahren an die Evangelische Kirche in Deutschland ab? Wir fordern eine staatliche Rückgabezeremonie im Bundestag. Bundespräsident Steinmeier, der, als er noch Oppositionsführer war, selbst eine Entschuldigung von Deutschland gefordert hat, muss die Herero und Nama dort endlich um Vergebung bitten.“

Das Bündnis ruft die Bundesregierung und die Bundesländer zudem dazu auf, auch die zahlreichen menschlichen Gebeine aus den anderen ehemals deutschen Kolonien Togo, Kamerun, Tansania, Ruanda, Burundi, Papua-Neuguinea, etc. den Nachfahren unverzüglich zur Rückgabe anzubieten.

Aus Protest gegen die geplante Zeremonie wird am 29. August 2018 ab 9 Uhr morgens vor dem Französischen Dom eine zivilgesellschaftliche Mahnwache des Bündnisses für die Opfer des Genozids stattfinden, an der auch Vertreter*innen von mehreren Nichtregierungsorganisationen der Herero und Nama aus Namibia und der weltweiten Diaspora beteiligt sind.

Kontakt*: Israel Kaunatjike (030 2156836) & Christian Kopp (01799100976); buero@berlin-postcolonial.de

Am Abend des 29. Augusts 2018 werden zudem an mehreren Orten in Deutschland und Namibia Gedenkveranstaltungen_stattfinden, deren Organisator*innen die Forderung nach einer offiziellen Entschuldigung der Bundesregierung unterstützen:
Berlin: Kunsthaus KuLe, Auguststraße 10, 19 Uhr, Eröffnung der Black Berlin Biennale in Anwesenheit von Herero- und Nama-Aktivist*innen, Kontakt: Adetoun & Michael Küppers-Adebisi (01779357723), AFROTAK@cyberNomads.de

München: Hererostraße in Trudering, 17-20 Uhr, Kontakt: Hamado Dipama (01749762448), dipama@panafrikanismusforum.net